(13) Diagnose angehende Reluxation – Pfannendachplastik

Home / Hüftdysplasie / Hüftluxation / (13) Diagnose angehende Reluxation – Pfannendachplastik
2+

Narben sind wie ein Geschichtsbuch

Meine Große hat viele Narben. Wir haben ihr sehr früh erklärt, dass sie etwas Besonderes ist, so wie jeder Mensch etwas Besonderes hat. Ihre Narben erzählen eine Geschichte und erinnern uns immer daran, wie tapfer sie ist und wie toll wir als Familie zusammen halten.

Ich weiß, dass es  viele Kinder und Eltern gibt, die mit deutlich schlimmeren Krankheiten klar kommen müssen und das auch schaffen. Wenn es aber um das eigene Kind geht, ist sogar ein Schnupfen schlimm. Und wenn dein Schützling nachts nicht schlafen kann wegen Bauchschmerzen oder einer Mittelohrentzündung, dann leiden Mamas und Papas auch da mit. Und wenn dein Baby vor Angst brüllt, weil eine laute, vibrierende Gipssäge am Bein entlang fährt, dann ist das auch für Eltern ein schrecklicher Moment, obwohl es dem Kleinen keine körperlichen Schmerzen verursacht. 

Pfannendachplastik

Als uns die Ärzte letztes Jahr nach Auswertung der Röntgenbilder offenbarten, dass die Hüfte nach Jahren der Therapie trotzdem erneut am Luxieren ist, setzte mein Herzschlag aus. Für mich war das das Schlimmste, was hätte passieren können. Sofort stellte ich mir meine fast Vierjährige vor, die so gerne in den Kindergarten geht und ein kleiner Wirbelwind ist, sechs Wochen liegend und fixiert.

Die Ärzte erklärten uns, dass wir jetzt noch eine letzte Möglichkeit hätten, diese sture, widerspenstige Hüfte hoffentlich dauerhaft in Ordnung zu bringen. Endlich. In einer weiteren Operation sollte der Oberschenkelknochen nochmals umgestellt werden. Außerdem wollten sie den Keil, der dafür aus ihrem Oberschenkelknochen geschnitten wird, ins nach wie vor viel zu kurze Pfannendach einsetzen und somit verlängern, damit der Knochen nicht wieder rausrutscht. Eine Pfannendachplastik also, genau das, was der damalige Arzt im ersten Krankenhaus machen wollte und weshalb wir nach Rummelsberg gewechselt sind. Damals wurde uns bei der Zweitmeinung davon abgeraten, weil die Große da noch viel zu klein war. Ironie des Schicksals, wir standen wieder ganz am Anfang. Ich konnte es nicht fassen.

Schaumstofflagerungsschale

Da die Große nun schon so alt war, sollte sie nach der Operation sechs Wochen in einem Spreizlagerungsmodul (Schaumstofflagerungsschale, Bild dazu hier) liegen, nicht in einem Gips. Das ist ein „Bett“ aus Schaumstoff, in den der Körper des Kindes mit gespreizter Beinhaltung eingefräst wird, ein Abdruck des Kindes quasi. Gurte an Beinen und Taille sollen falsche Bewegungen vermeiden. 

Die Operation war für zwei Monate später geplant. Wieder einmal begannen wir zu recherchieren. 

Fragen, Fragen, Fragen

Wo sollte die Große schlafen? Ihr Bett ist im ersten Stock, ein Rauf- und Runtertragen war uns zu riskant. Wie könnten wir sie sechs Wochen lang beschäftigen, davon zwei Wochen im Krankenhaus und vier Wochen daheim? Wie würde sie die angesetzten 2 ½ Kindergarten-Fehlmonate verkraften? Nach langer Eingewöhnungszeit war sie endlich komplett dort angekommen und ging täglich voller Freude in die Kita. 

Wie sollte ich sie in dem Modul pflegen? Würde Haare waschen möglich sein? Thema Klo gehen: Wie würde sie reagieren, wenn sie wieder in die Windel machen müsste, nachdem sie schon zwei Jahre sauber war? Und zu guter Letzt, wie sollte ich mich auch noch um das Baby kümmern, das gerade im Begriff war, die Welt auf zwei Beinen zu entdecken?

Unglaublich, aber wahr, die Zeit mit Gips im Babyalter erschien mir plötzlich lächerlich einfach.

2+

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.