Baby im Fettweisgips – 10 wertvolle Tipps für Alltag und Pflege

Im letzten Beitrag habe ich schon zwei Tipps erwähnt, wodurch wir mit unserer Großen im Fettweisgips bzw. Becken-Bein-Gips mobiler und flexibler waren.

Diese und weitere Tipps und Tricks aus unserem Alltag habe ich für Euch gesammelt.

[1] Unterwegs mit Fettweisgips

Für den Transport vom Krankenhaus nach Hause ist es wichtig, sich rechtzeitig darüber zu informieren, ob das Kind mit Gips noch in die Babyschale bzw. den Autositz passt. Dies hängt größtenteils vom Alter des Kindes und der Position der eingegipsten Beine ab. Ist das Baby noch sehr klein kann es genügen, ein Handtuch unter die Beine zu legen. So ist das Baby höher gelagert und der Gips liegt quasi auf dem Rand der Babyschale auf.

Als unsere Große älter wurde, organisierten wir einen Spreizkinderautositz, für den die Leihgebühr nach ärztlicher Anordnung sogar von unserer Krankenkasse übernommen wurde. Siehe dazu auch meinen detaillierten Beitrag über Transportprobleme.

[2] Zuhause mobil mit Fettweisgips

Daheim hatten wir einen Kinderwagen für draußen und einen für drinnen, den wir uns von Freunden geliehen hatten. So konnten wir das Baby immer von Zimmer zu Zimmer mit schieben, einfacher füttern und besser in den Alltag integrieren. (mehr dazu)

[3] Wickeln mit Fettweisgips

Folgendes war für mich die beste Lösung: Von einer Windel der aktuellen Größe die Verschlusslaschen abschneiden und vorne und hinten in den Gips schieben, sodass man die Enden jeweils oben wieder heraus ziehen kann. Über dem Gips eine größere Windel wie gewohnt benutzen. Die äußere Windel kann natürlich öfter verwendet werden.

[4] Den Fettweisgips sauber halten

Über die Ränder im Windelbereich habe ich Slipeinlagen geklebt und zusätzlich noch mit Verbandstape befestigt. Falls beim Windelwechseln Dreck  an die Ränder gekommen ist, konnte ich einfach die Slipeinlagen wechseln und den Gips so über Wochen sauber und geruchsfrei halten. Bei der Gipsabnahme konnten die Ärzte kaum glauben, wie sauber alles war. (Ich habe ein tolles Video gefunden, in dem eine ähnliche Technik gezeigt wird.)

Fettweisgips, Baby
Trotz aller Anstrengungen sah der Gips innendrin nach 6 Wochen so aus. Die Ärzte fanden ihn sauber, ich war entsetzt.

[5] Immer wachsam auf Stuhlgang achten

Gerade kleine Babys haben ja noch sehr flüssigen Stuhlgang, der ganz schnell am Rücken entlang in den Gips läuft. Sobald ich gemerkt habe, dass was kommt, bin ich zum Wickeltisch gerannt, habe die Windel aufgemacht und die Ausscheidungen direkt mit einem Papiertuch aufgesaugt. Bei uns war das relativ einfach zu timen, weil die Große aufgrund der fehlenden Bewegung nur alle drei Tage und z.T. auch nur mit Abführen Stuhlgang hatte.

[6] Verdauungsproblemen entgegen wirken

Wegen der genannten Schwierigkeiten bzgl. regelmäßigen Stuhlgangs ist es wichtig, das Bäuchlein oft zu massieren, kein Essen zu füttern, das stuhlfestigend ist und u.U. auch mal abzuführen, falls sich doch nichts tut (bitte den Kinderarzt dazu befragen). Das Kind hat im Gips keine Bewegung, dadurch wird natürlich auch der Darm sehr träge.

[7] Den Fettweisgips trocken föhnen

Im Gips sammelt sich durch die Körperausdünstungen natürlich Feuchtigkeit und es fängt nach einiger Zeit an extrem zu stinken. Ich habe früh und abends als Teil des Waschrituals von oben und an den Füßen in den Gips hinein geföhnt, bis alles wieder trocken war. Bitte achtet dabei natürlich darauf, dass der Föhn nicht auf „heiß“ gestellt ist.

[8] Korrekte Lagerung durch Sitzsack

Wir haben uns einen tollen Kindersitzsack gekauft, auf den wir unsere Große gerne gelegt haben. Dadurch war eine optimale Lagerung möglich und der Rücken wurde entlastet.

Der Sitzsack ist heute noch im Einsatz und liegt in ihrer Bücherecke. Empfehlung meinerseits!

[9] Haushaltshilfe

Obwohl ich meine Handgelenke und meinen Rücken recht gut entlastet hatte, indem die Große viel im Drinnen-Kinderwagen lag, hatte ich nach einigen Wochen extreme Rückenprobleme und beidseitig Sehnenscheidenentzündung. Meine Ärztin bot mir an, eine Haushaltshilfe zu verordnen. Ich lehnte ab. Blöde Entscheidung, die ich schnell bereut habe. Wenn Euch Hilfe angeboten wird, dann nehmt sie auch an.

[10] Countdown Kalender machen

Für meine Psyche war es wichtig zu sehen, wie die Tage bis zur Gipsabnahme ständig weniger wurden (vergleichbar mit einem Adventskalender für Kinder). Ich habe mit einem Permanentmarker die verbleibenden Tage auf den Gips geschrieben und jeden Morgen nach dem Waschen einen Tag durchgestrichen.

[BONUS TIPP] Was anziehen?

Katastrophe. All die schönen Klamotten, die ich meiner Großen gekauft hatte, konnte ich ihr nicht anziehen. Und als der Gips endlich weg war, passte ihr natürlich nichts mehr. Aufgrund der Abspreizung ist es kaum möglich, Hosen anzuziehen. Damit der Gips aber nicht gar so präsent war, habe ich viele süße Schlafanzüge besorgt, natürlich 2-3 Nummern größer. Die trug sie dann Tag und Nacht und war trotzdem „schick angezogen“. Die goldigen Babyklamotten habe ich z.T. ungetragen wieder verkauft, denn unsere Nummer Zwei ist ein Junge.

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6 thoughts on “Baby im Fettweisgips – 10 wertvolle Tipps für Alltag und Pflege

  • Loops

    Vielen Dank für die super Idee mit dem Sitzsack. Wir haben gerade eine 2 Jährige mit einem Becken Bein Gips und man kann sie super auf dem Rücken und dem Bauch lagern. Wir haben den Sitzsack in ein fahrbares Kinderbett gelegt und können sie damit durchs. Haus fahren. Zusammen mit einem „Bett Tablett“ kann man auch super spielen und malen.

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  • Hallo,
    Ich habe als Kind mit 1,5 Jahren erst damals 6 Wochen in der Strecke gelegen, würde dann zwangsfixiert und 6 Wochen unter Valium gesetzt. Danach noch 2,5 Jahre zu Hause im Gipsbett gelegen. Dieses Traumata bin ich jetzt erst am abarbeiten. Von wegen, die Kleinen sind hart im Nehmen. Nix da. Erkläre doch Mal so einem kleinen Kind was da passiert, es wird es nicht verstehen. Meiner Meinung nach, sollte jede Mutter, die mit ihrem Kind so etwas durch macht, unbedingt später mit ihrem Kind darüber reden. Auch wenn die Eltern noch so liebevoll sind, so hinterlässt es massive Spuren, die das Kind erst viel später verstehen wird. Verlustangst, der Körper schaltet völlig um, um das Kind zu schützen, davon redet keiner. Und wenn dann Jahre später alles hoch kommt, dann kann es ganz böse enden. Ich war auch immer ein fröhliches Kind, dass viel lachte, doch in meinem inneren hatte sich sehr viel verändert, was absolut niemand mitbekam. Aber irgendwann gibt das Unterbewusstsein alles frei, du wirst wieder damit konfrontiert, ob du willst oder nicht und dann Versuche dich Mal als Erwachsener damit auseinander zu setzen, wo die Erinnerungen erst nach und nach hochkommen. Davon abgesehen, werden in solchen Fällen doch heute Spreizhöschen getragen und nicht mehr diese Gipstotur. Ich würde jeder Mutter, Eltern davon abraten. Ärzte machen viele Fehler, meist machen diese sich erst Jahre später bemerkbar.
    Ich finde es erschreckend, dass noch heute gewisse Methoden angewendet werden, obwohl die Medizin so weit voran geschritten ist. Nun gut, dennoch viel Glück für alle Mäuse, die sowas durchmachen müssen.

    Viele Grüße
    Gabi

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    • Liebe Gabi,

      ich danke Dir wirklich vielmals für Deinen ehrlichen Kommentar, der mir sehr zu Herzen gegangen ist und über den ich jetzt schon lange nachdenke.
      Ich kann nur hoffen, dass meine Tochter mir niemals vorwerfen wird, mit der Behandlung der Hüfte einen Fehler gemacht zu haben, denn es geht ihr – zumindest was diese Krankheit angeht – gut. Die Operationen haben letztendlich geholfen und ich muss keine Angst haben, dass sie als Teenager ein künstliches Hüftgelenk braucht.
      Ich habe mir fest vorgenommen, in einem eigenen Beitrag genauer auf Deine Worte einzugehen, denn es ist bewegend für uns „Hüfteltern“, mit möglichen psychischen Folgen einer solchen Krankheit konfrontiert zu werden.

      Meine Tochter redet tatsächlich nie über die Strapazen der Vergangenheit. Ich glaube sogar, dass das alles sie sehr abgehärtet hat, was einerseits eigentlich bei einem Kind gar nicht notwendig sein sollte, andererseits seit letztem Jahr aber ein großes Plus ist, als bei ihr eine massive Polyarthritis, also Kinderrheuma, diagnostiziert wurde. Die Krankheit hängt nicht mit der Luxation von damals zusammen, es ist einfach mal wieder sehr großes Pech. Aber sie steckt die Krankenhausaufenthalte WIRKLICH den Umständen entsprechend gut weg, hat Spaß bei den Therapien und nie Angst vor den Ärzten oder Spritzen. Und das haben wir meiner Meinung nach dem über die Jahre andauernden Umgang mit netten, kompetenten und freundlichen Medizinern zu verdanken.

      Knallbunte Grüße
      Jessica

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  • Sonja Wasmund-Pöschus

    Liebe Jessica, ich habe deinen Block gelesen und finde es bemerkenswert, wie du mit dem ganzen umgehst. Uns steht der spreizgips jetzt bevor und durch deinen Blog konnte ich schon jetzt viele Bedenken abhaken. Eine Frage habe ich aber an dich. Als Mama denk man ja sehr viel nach was die kleinen alles durchmachen müssen. Wie bist du mit all deinen Sorgen und Gedanken umgegangen? Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. LG sonja

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    • Liebe Sonja, danke für Deinen Kommentar.
      Die Frage kann ich gar nicht so einfach beantworten, eigentlich kenne ich die Antwort auch nicht. Damals habe ich einfach funktioniert, natürlich mit einigen Weinkrämpfen. Aber wir sind jedesmal in die neue Situation rein gewachsen. Und weil meine Große trotz aller Strapazen immer glücklich wirkte und viel gelacht hat, gab auch mir das die emotionale Kraft, das durch zu stehen. Sorgen um sie habe ich mir immer gemacht, und auch heute noch mache ich mir ständig Sorgen, obwohl wir die Hüft-Akte jetzt für die nächsten zwei Jahre bis zur nächsten Röntgenkontrolle schließen durften. Ich denke, als Mama ist man immer irgendwie besorgt, das ist wohl Teil des schönsten Jobs der Welt.
      Fazit: Lass Deinen Sorgen und Gedanken freien Lauf, ich finde da nichts Falsches dran. Aber erfahrungsgemäß sind die Kleinen härter im Nehmen als man denkt, also seid füreinander da, dann wird das halb so schlimm.
      Ich schicke Euch ganz viel Kraft und knallbunte Grüße
      Jessica

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